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Google im Jahre 2020

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Google im Jahre 2020
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Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, nämlich im Herbst 2010, dass ich beim SEOzehnario mitgemacht habe, einem SEO-Wettbewerb, bei dem ich ein Tablet-Computer namens „iPad“ des Herstellers Apple (heute Google) gewann – mit dem man nicht mal anständig telefonieren konnte. Dieses Jubiläum ist Grund genug einmal zu schauen, wie weit ich mit meinen Prophezeiungen damals danebenlag.

Google vor zehn Jahren

Vor zehn Jahren war Google noch vornehmlich wegen einer Suchmaschine bekannt, in der Nutzer ein paar Worte in einen Suchschlitz eingaben und Google anhand eines Algorithmus mehr schlecht als recht mutmaßte, was der Nutzer damit wohl meinen könnte. Aus einer Liste von Websites, von denen Google annahm, sie könnten mit der Suchintention der Nutzer irgendwie zusammenhängen, konnte sich der Suchende dann etwas auswählen. Das taten damals ziemlich viele Menschen, die davon häufig sogar die Entscheidung abhängig machten, ob sie nun das eine Produkt kauften oder vielleicht doch lieber ein anderes. Aus diesem Grund wollten Firmen, von denen es damals ja auch noch viel mehr gab als heute, in den Suchergebnislisten so weit wie möglich oben stehen. Von dieser Konkurrenz profitierten Marketing-Agenturen wie die, für die ich damals schon gearbeitet habe, welche die Seiten ihrer Kunden daraufhin optimierten, dass der Suchmaschinenalgorithmus die Webseiten für nützlicher hielt als zuvor.

In meinem SEOzehnario aus 2010 bin ich wie viele andere schlicht davon ausgegangen, dass sich die Ergebnisse immer weiter verbessern und die Fehlerquote immer kleiner werden würde. Was stattdessen geschah, war, dass sich das Nutzerverhalten geändert – und sich Google daran angepasst hat.

Warum wurde damals überhaupt gesucht und wonach?

Wer heute etwas kaufen will, hat Amazon, wer etwas wissen muss, Wiki, erotische Ablenkung präsentiert Youporn etc. Diese Anbieter gab es schon damals, aber deren Angebote waren halt noch nicht konkurrenzlos. Vieles, was einst via Suchmaschine gesucht wurde, muss heute nicht mehr gesucht werden. Konsumenten werden stets von ihren Lieblings-Anbietern begleitet, welche erstaunlich gut darüber informiert sind, wann welches Bedürfnis oder Produkt für den Nutzer interessant ist. Die melden sich schon! Sie sind Dank der Verbreitung mobiler Geräte in der Lage, es den Nutzern genau in dem Moment zu präsentieren, in dem der Bedarf am größten ist. Das Nutzerverhalten hat sich grundsätzlich verändert: Nicht mehr „Ich will das wissen, also suche ich“, sondern „Alles, was ich wissen muss und brauche, wird mir präsentiert“.

Die neue Privatheit

Gilt heute schon als fortschrittsfeindlich, wer seine Youporn-Playlist aus Rücksicht auf seine alte Mutter nur mit seinem Netzwerk ersten Grades teilt, hatten vor zehn Jahren viele Leute ein Problem damit, als Google ihre Häuser von außen (!) fotografierte. Werbung kann heute auch deshalb so vollständig maßgeschneidert sein, weil alle alles mit allen teilen. Als Google unsere Präsidentengattin Stephanie zu Guttenberg in Kalifornien empfing und ihr eine Liste aller vermeintlich pädophilen Deutschen zur Veröffentlichung übergab, sorgte das im letzten Jahr zwar für einigen Wirbel. Aber: Welche Interessengruppe ihre Google-Steuer nicht bezahlt, muss natürlich mit Konsequenzen rechnen.

Google ist sozialer und lokaler geworden

Vom Affen zum Robot

© SEOmoz.org

Was macht Google überhaupt noch? Die Suche von vor zehn Jahren wird kaum noch genutzt – auch wenn es sie nach wie vor gibt. Einige Elemente des Algorithmus konnten überdauern. Der berühmte PageRank, der zum letzten Mal ziemlich genau vor zehn Jahren am 20.01.2011 ein Update erfuhr, gehört nicht dazu. Er wich zugunsten des SocialVitalityRanks (SVR), der mit Daten der Google-Tochter Facebook ermittelt wird. Mit diesem qualifiziert Google Angebote ganz individuell für jeden Nutzer. Beim SVR kommt es – vereinfacht gesagt – darauf an, wie die Netzwerkkontakte des betreffenden Nutzers ein Angebot angenommen und wie sie es anschließend bewertet haben. Je nachdem wie dicht ein Nutzer mit einer Person innerhalb seines sozialen Netzwerks bekannt ist und wie stark die Übereinstimmung bezüglich gemeinsamer Interessen, Vorlieben und Bedürfnisse ist, desto stärker fließt dessen Bewertung in das Ranking ein.

Die Ergebnisse werden dem Nutzer nicht dann präsentiert, wenn er sie anfragt – wie früher z.B. über eine Suchmaschine. Wann ein Nutzer ein Ergebnis präsentiert bekommt, wird in den meisten Fällen von Google entschieden. Denn Google weiß am besten, welche Informationen für den Nutzer gerade relevant sind.

Google hilft

Als ich heute Morgen mit meiner Frau in der Stadt war, wurde sie bei H&M z.B. via Google darauf hingewiesen, dass das Kleid, welches sie gerade schon anprobieren wollte, in dieser Woche bereits von drei Frauen gekauft wurde, von denen zwei voraussichtlich am Samstag auf der gleichen Veranstaltung sind wie wir. Sie hat sich dann natürlich für ein anderes Kleid entschieden. Nämlich für eines, welches bisher noch keine Frau gekauft hat, die am Samstag kommt – und für das die Besitzerinnen in ganz Deutschland im letzten Jahr mit Abstand die meisten Komplimente bekommen haben.

Und SEO?
Na, SEO ist natürlich tot. Schon seit ein paar Jahren.

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Dieser Artikel wurde am Montag, den 25. Oktober 2010 geschrieben. Wir freuen uns auf Deine Meinung, nutz hierfür einfach die Kommentarfunktion.
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