CAMPIXX 2026 – Recap

Am 18. und 19. Juni 2026 fand die CAMPIXX im Van der Valk Hotel Berlin-Brandenburg statt. Unter dem Motto RETHINK. REACT. RISE. bot die Konferenz an zwei Tagen ein vielfältiges Programm rund um SEO, Tech-SEO, GEO, Markenaufbau und Plattformen. Neben den fachlichen Inhalten stand wie immer das persönliche Networking im Mittelpunkt. In diesem Beitrag fassen wir unsere Highlights und wichtigsten Learnings zusammen.

Ablauf, Formate & Verpflegung

Die CAMPIXX 2026 setzte erneut auf ein dichtes, aber flexibel zusammenstellbares Programm: Über 8 parallele Tracks und mehr als 60 nationale und internationale Speaker*innen verteilten sich die Sessions, sodass die rund 600 Teilnehmer*innen ihren eigenen Tag nach Interesse zusammenstellen konnten, von SEO über Tech-SEO und GEO bis hin zu Markenaufbau und Content.

Gleich mehrere Formate waren in diesem Jahr neu: In der Mixed Zone trafen Expert*innen des Markenaufbaus auf SEOs und kombinierten ihre Skills. Der International Track brachte zusätzlich englischsprachige Perspektiven renommierter SEO- und Marketing-Expert*innen auf die Bühne. Ergänzt wurde das Programm unter anderem durch Pooled-Force-Runden, in denen Teilnehmer*innen den jeweiligen Tag moderiert in kleinen Gruppen reflektierten, sowie durch Kreativ-Workshops.

Zwischen den Sessions blieb genügend Zeit zum Austausch und Durchatmen. Für Verpflegung war über den Tag hinweg mit Essen und Getränken gesorgt, am Abend des ersten Tages versorgten Foodtrucks die Teilnehmer*innen mit dem Abendessen. Typisch CAMPIXX: etwas abseits von Berlin gelegen, mit großem Außengelände und einer lockeren Atmosphäre, in der sich Speaker*innen, Moderator*innen und Teilnehmer*innen ganz selbstverständlich vermischten.

Tag 1: AI-Search, GEO & Grounding – die neue SEO-Realität

Lily Ray (Eröffnungsrede) – How SEO & GEO work together: Do great GEO without destroying your SEO

Den Auftakt der CAMPIXX 2026 machte Lily Ray (Algorythmic / Amsive) mit der Frage, die die Branche laut eigener Aussage seit rund 1,5 Jahren umtreibt: Ist das, was wir gerade tun, eigentlich noch SEO oder schon GEO? Ihre Antwort fiel deutlich aus: Der Großteil dessen, was aktuell als eigenständige GEO-Disziplin verkauft wird, sei in Wahrheit neu verpacktes, fundamentales SEO. Auch Google bestätige in der eigenen Dokumentation, dass das Optimieren für die KI-Suche letztlich SEO bleibe.

Problematisch werde es dort, wo aus Angst, Unsicherheit und Zeitdruck überstürzte GEO-Entscheidungen entstehen, befeuert von einer „SEO is dead“-Erzählung und geschätzten 300 Mio. US-Dollar an Venture Capital, das bislang in GEO-Startups geflossen sei. Ihre zentrale These untermauerte sie mit einer eigenen Studie über 11 Websites: Da KI-Systeme ihre Antworten über Retrieval (RAG) aus den organischen Ergebnissen ziehen, sinken mit einbrechenden Google-Rankings auch die KI-Zitierungen, im Schnitt um rund 27 % sowohl beim organischen Traffic als auch bei den ChatGPT-Citations. Gutes SEO sei damit nicht bloß komplementär zu GEO, sondern dessen Voraussetzung.

Konkret warnte Lily Ray vor „problematischen“ GEO-Taktiken, die genau diese Grundlage sabotieren:

  • selbstpromotende Listicles, die das eigene Produkt auf #1 setzen und laut Google oft als Stimme für den Wettbewerber statt für die eigene Marke zählen,
  • massenhaft skalierter KI-Content sowie „Commodity Content“ zu who/what/when/where-Fragen, die LLMs ohnehin selbst beantworten,
  • repetitive Template-Seiten (How-to-, Comparison- und Alternative-Artikel) als Form von „Scaled Content Abuse“,
  • „Summarize with AI“-Buttons sowie reziproke bzw. bezahlte Brand-Mentions, die Google und Microsoft bereits als Prompt Injection bzw. inauthentische Mentions einstufen.

Ihr Fazit: Statt auf Abkürzungen zu setzen, brauche es das lange Spiel. Konkret heißt das: erkennbare Muster und Übertreibung vermeiden, den bestehenden Content kontinuierlich verbessern, ausschließlich einzigartige Inhalte produzieren und auf echtes E-E-A-T setzen. Ansätze wie Schema, llms.txt oder Agent-Readiness seien durchaus sinnvoll, aber kein Allheilmittel.

Hanns Kronenberg – Grounding: Das neue AI SEO Battlefield. So landest du in Antworten

KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini, Perplexity oder die Google AI Overviews verändern, wie Marken, Inhalte und Quellen sichtbar werden, sie liefern nicht mehr nur Links, sondern Antworten, und entscheiden dabei mit, welche Entitäten verstanden, genannt und zitiert werden. Genau hier setzt Grounding an.

Hanns Kronenberg beschrieb vier strukturelle Risiken, die entstehen, wenn Websites zwar für Rankings, Klicks und Conversions optimiert sind, aber nicht dafür, von KI-Systemen eindeutig erkannt und als verlässliche Quelle genutzt zu werden: Halluzinationen, Entitätsverwechslung, Nichtnennung und englischdominantes Retrieval.

Seine zentrale These: AI SEO bedeutet nicht, KI-Systeme zu manipulieren, sondern Mehrdeutigkeit zu reduzieren. Es geht um klare Entitäten, überprüfbare Fakten, zitierfähige Aussagen, maschinenlesbare Struktur und eine stabile Quellenarchitektur. Passend dazu sein Hinweis, einen Disclaimer am Seitenanfang lieber wegzulassen, damit das Ganze nicht zu manipulativ wirkt. Sogenannte Grounding Pages helfen dabei, Marken, Produkte, Personen, Events oder Konzepte für KI-Systeme verständlicher, sichtbarer und zitierfähiger zu machen.

Malte Landwehr (Peec.AI) – AI Search 2026: Was funktioniert, was nicht

Dass vieles, was derzeit als Best Practice für AI Search verkauft wird, in der Realität nur teilweise oder gar nicht funktioniert, machte Malte Landwehr (Peec.AI) deutlich. Auf Basis echter Daten, laufender Tests und praktischer GEO-Erfahrung zeigte er, welche Maßnahmen die Sichtbarkeit in ChatGPT, Perplexity, Gemini, AI Overviews & Co. tatsächlich steigern und welche Taktiken überschätzt, missverstanden oder längst wirkungslos sind.

Im Fokus stand die Frage, was Unternehmen 2026 wirklich tun sollten, um in KI-Antworten genannt, zitiert und empfohlen zu werden:

  1. Eigene Fachinhalte schreiben: Wenn ihr gute, eigene Experteninhalte auf eurer Website veröffentlicht, ziehen KI-Tools wie ChatGPT diese als Quelle heran.
  2. Inhalte so aufbauen, dass die KI sie leicht „herauspicken“ kann: KI-Tools lesen nicht die ganze Seite, sondern greifen sich einzelne, prägnante Absätze heraus. Hilfreich ist deshalb ein kurzer, verständlicher Absatz sowie kurze Zusammenfassungen über Artikeln und unter Tabellen.
  3. Lücken füllen („Filling the Gaps“): Anschauen, welche Quellen LLMs für eure Themen zitieren und wo Wettbewerber genannt werden, ihr aber nicht. Dann dafür sorgen, dort ebenfalls aufzutauchen (E-Mail an den Autor, Kommentar, ggf. bezahlen).
  4. Wikipedia wirkt selbst nach Löschung. KI-Tools nutzen Wikipedia als wichtige Quelle – und ziehen einen Artikel teils auch dann noch als Quelle heran, wenn er längst gelöscht ist. In Maltes Beispiel wurde der Artikel im November gelöscht, trotzdem zitiert ChatGPT ihn seither unverändert oft (rund sechs Monate. Theoretisch ausnutzbar, aber riskant). Den möglichen Missbrauch gegen Wettbewerber nennt Malte ausdrücklich nur als Warnung, nicht als Tipp.
  5. Shopping: Bei ChatGPT Shopping gilt: Die angezeigten Produkte stammen quasi 1:1 aus dem organischen Google Shopping. Es reicht also, einen Google-Merchant-Center-Feed einzurichten und organischen Traffic zu aktivieren, um dort aufzutauchen.

Abbildung 1: Malte Landwehr auf der Campixx-Bühne

Tag 2: Automatisierung, Google-Leaks & technisches SEO

Gus Pelogia (Indeed) – Claude Code & MCP Servers: Practical SEO Use Cases

Wie sich alltägliche SEO-Aufgaben direkt aus dem Terminal erledigen lassen, zeigte Gus Pelogia (Indeed) in einer praxisnahen Session. Im Zentrum stand das Model Context Protocol (MCP), ein von Anthropic entwickelter Open-Source-Standard, der KI-Modelle sicher mit externen Tools verbindet, in Gus‘ Worten schlicht „APIs auf LLMs“. So lassen sich SEO-Tools und das eigene CMS direkt an Claude (und andere LLMs) anbinden. Viele große SEO-Tools haben dafür bereits eigene MCP-Server veröffentlicht, darunter Ahrefs, Semrush, Sistrix und DataForSEO.

Ein wichtiger Unterschied: Das „normale Claude“ (Claude.ai) eignet sich vor allem für einzelne, schnelle Fragen, bei denen man jeweils eine Antwort bekommt. Claude Code dagegen wird lokal über das Terminal installiert und ist für größere Aufgaben gemacht: Es kann mehrere Arbeitsschritte selbstständig nacheinander ausführen, also etwa Daten aus einem Tool abrufen, sie weiterverarbeiten und das Ergebnis direkt an das nächste Tool übergeben, ohne dass man jeden Schritt einzeln anstößt.

Anschließend zeigte Gus konkrete Use Cases aus dem SEO-Bereich, die sich so nicht direkt über die Tool-Oberflächen umsetzen lassen:

  • Keywords automatisch nach Gruppen sortieren (im Beispiel 87 Keywords mit einem einzigen Prompt)
  • frische lokale SERPs sowie SERP-Features wie „Popular Products“ oder „People also search for“ auslesen
  • mehrere MCPs kombinieren (etwa SERPs mit DataForSEO scrapen und das Suchvolumen über Ahrefs ergänzen)
  • automatisierte Reportings samt Daten-Visualisierung erstellen oder Websites mit dem Screaming-Frog-MCP crawlen, zum Beispiel, um Bilder ohne Alt-Text zu finden.

Seine wichtigsten Learnings:

  • Immer das benötigte MCP-Tool explizit im Prompt benennen.
  • Claude Code ist deutlich leistungsfähiger als die Desktop-Variante.
  • Nutzungslimits und API-Kosten im Blick behalten.

Abbildung 2: Gus Pelogia auf der Campixx-Bühne

Johan von Hülsen – Aktuelle Lehren aus den Google Leaks: der unterschätzte Ranking-Hebel

Warum sollten sich SEOs ausgerechnet jetzt, im KI-Zeitalter, noch mit dem Google-Leak beschäftigen? Johan von Hülsen lieferte dafür zwei einfache Gründe: Erstens gibt es nach wie vor Traffic aus der klassischen Suche. Und zweitens greifen auch die ganzen schicken neuen KI-Systeme im Hintergrund auf Suchmaschinen zurück.

Genau hier setzt sein Hauptargument an: An einer KI-Antwort lassen sich längst nicht alle Stellschrauben drehen. Auf das Training des Modells, die Prüfung des Prompts oder die finale Formulierung der Antwort haben wir keinen Einfluss. Was wir beeinflussen können, ist der Schritt dazwischen, nämlich welche Seiten und Quellen die KI überhaupt findet und abruft. Und dafür sind die altbekannten Größen weiterhin entscheidend: Indexierung und Ranking. Eine kleine, aber bewusste Korrektur lieferte Johan gleich mit: Es gehe weniger darum, den Leak vollständig zu „verstehen“, als sich überhaupt ernsthaft mit ihm zu beschäftigen.

Die eigentliche Hürde dabei ist die schiere Masse: Die geleakte Dokumentation ist gigantisch. Johan zeigte deshalb an konkreten Beispielen, wie sich einzelne Felder in handfeste SEO-Entscheidungen übersetzen lassen:

  • Interne Links: Begriffe wie „Link Forwarding“ oder PageRank bestätigen vor allem eines: Saubere interne Verlinkung zahlt sich aus. Für klar strukturierte Silos statt überfrachteter Flyout-Menüs sprechen gleich mehrere Vorteile: derselbe Klick-Weg zum Ziel, besseres Storytelling, mehr Variation im Ankertext, höhere thematische Relevanz, kürzere Ladezeiten und bessere Barrierefreiheit.
  • Linkposition & Ankertext: Wie sehr Details zählen, machte Johan an einer kleinen „Ranking-Zombie“-Geschichte deutlich: Ein verlinktes Banner-Bild mit nichtssagendem ALT-Text („Image123″) kann ein Ranking kosten, ein sprechender ALT-Text mit dem Hauptkeyword holt es wieder zurück.
  • Dokument- & Qualitätssignale: Felder rund um Entitäten, einen „Original Content Score“, hreflang oder Navboost zeigen, worauf Google auf Dokumentebene achtet.

Sein Fazit: kein Geheimrezept, aber ein klar unterschätzter Hebel. Wer die Hinweise aus dem Leak in saubere Indexierung, gute Rankings und durchdachte interne Strukturen übersetzt, verbessert seine Ausgangslage, für klassischen SEO-Traffic genauso wie für die Sichtbarkeit in KI-Antworten (GEO).

Das Abendprogramm

Auch abseits der Sessions hatte die CAMPIXX wie immer einiges zu bieten. Auf dem Außengelände sorgten mehrere Foodtrucks für Verpflegung, dazu gab es reichlich Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre neue Kontakte zu knüpfen. Für Unterhaltung war ebenfalls gesorgt: Beim RC-Cars-Racing konnten sich die Teilnehmer*innen im Fahrerlager messen, beim „Hau den Olaf (Kopp)“ durfte mit voller Kraft zugeschlagen werden, beim Karaoke mit Rudi zählte weniger die perfekte Performance als der pure Enthusiasmus, und sobald die Sonne unterging, wurde die Outdoor-Disco zur Tanzfläche. Wer es ruhiger mochte, ließ den Tag im Liegestuhl oder bei den Outdoor-Spielen (Boccia, Wikinger-Schach etc.) ausklingen.

Fazit

Ein roter Faden zog sich durch beide Tage: AI-Search und GEO verändern die SEO-Arbeit grundlegend, aber nicht, indem klassisches SEO überflüssig wird, sondern indem solide SEO-Grundlagen, technisches Know-how und smarte (AI)-Automatisierung wichtiger denn je werden. Wer beides zusammendenkt, ist für die Zukunft gut aufgestellt. Wir freuen uns schon auf die nächste CAMPIXX!

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