Diesen Monat greift Google doppelt durch: Das vierte Spam-Update des Jahres läuft seit dem 24. September, und in Deutschland verschwindet Google Shopping fast komplett aus den Suchergebnissen. Außerdem haben wir ChatGPT Ads drei Wochen lang selbst getestet und zeigen, was der Kanal bei Reichweite, Klickpreisen und Conversions liefert. Zum Schluss verraten 131 SEO-Expert*innen, welche Ranking-Faktoren 2026 bei Google und in KI-Antworten zählen.
Viel Spaß beim Lesen!
Google News
#01 Google startet das vierte Spam-Update des Jahres
Das nächste Spam-Update läuft gerade. Google hat das September 2026 Spam Update am 24. September gestartet. Es gilt weltweit und für alle Sprachen. Der Rollout dauert laut Google dieses Mal bis zu zwei Wochen. Das Update knapp im Überblick:
- Es ist das vierte Spam-Update 2026 nach März, Juni und August.
- Das August-Update war nach zwei Tagen abgeschlossen. Für das aktuelle Update kündigt John Mueller ausdrücklich einen längeren Rollout an.
Ein Spam-Update bewertet nicht die Gesamtqualität eurer Seite wie ein Core Update. Es greift gezielt bei Verstößen gegen Googles Spam-Richtlinien.
Erste Beobachtungen aus der Praxis: SEO-Berater Glenn Gabe dokumentiert das Update fast täglich auf LinkedIn. Seine Notizen sind Einzelbeobachtungen, keine offiziellen Aussagen von Google:
- Gabe sieht starke Verluste über viele Branchen und Länder, auch in Deutschland. Betroffen sind nach seiner Analyse vor allem massenhaft erzeugte KI-Inhalte, automatisch aus Vorlagen erstellte Seiten und dünne Affiliate-Angebote.
- Einige Seiten, die von früheren Spam-Updates betroffen waren, erholen sich jetzt. Gabe vermutet, dass Google ihre Spam-Bewertung neu berechnet hat.
- Maschinell übersetzte Threads von Reddit ranken auch in Deutschland wieder sichtbar.
Was das für euch bedeutet: Bei Ranking-Verlusten bis zum Ende des Rollouts gilt: Prüft eure Seite gegen die Spam-Richtlinien, bevor ihr Inhalte umschreibt. Ihr habt nach einem früheren Spam-Update aufgeräumt? Dann beobachtet eure Sichtbarkeit in den nächsten Tagen genau, denn dieses Update ist eure Chance auf Erholung. Für sauber arbeitende Seiten sollte dieses Update kein Grund zur Unruhe sein. Vier Spam-Updates in neun Monaten zeigen: Google schärft aktuell sehr schnell nach.
#02 Neuer Search-Console-Filter zeigt Traffic aus Lens und Circle to Search
In der Search Console seht ihr jetzt, wie oft eure Seiten bei Suchen per Bild erscheinen. Google rollt dafür seit dem 24. September einen neuen Filter im Leistungsbericht aus. Er teilt die Websuche in textbasierte und multimodale Suchen auf. Multimodal heißt: Die Suche nutzt oder kombiniert unterschiedliche Eingabeformen wie Text, Bild oder Sprache. Googles Filter erfasst dabei Suchen, die mit einem Bild starten. Dazu zählen:
- Suchen mit Google Lens
- Circle to Search auf Android
- hochgeladene Bilder in der Google-Suche
- “Search this image”, per Rechtsklick in Chrome
Laut John Mueller waren diese Daten vorher nicht in den Zahlen enthalten. Erfasst sind sie nur ab dem 10. September. Im KI-Leistungsbericht steht der Filter mit Impressionen ebenfalls bereits. Suchanfragen gibt es für multimodale Suchen natürlich nicht, weil sie meist ganz ohne Text entstehen.
Was das für euch bedeutet: Steigen eure Web-Impressionen ab dem 10. September, prüft zuerst diesen Filter. Die neuen Daten sind erstmalig erfasster Traffic und kein Ranking-Gewinn. Aus unserer Sicht lohnt der Filter vor allem für Shops und Seiten mit starken Produktbildern.
#03 Google Shopping verschwindet aus der EU-Suche und taucht in ChatGPT wieder auf
Google hat Shopping-Elemente in Deutschland und Frankreich fast vollständig aus den Suchergebnissen entfernt. Weg sind:
- Produktkarussells und Produktraster
- der Shopping Tab in der Navigation
- direkte Listings aus Google Shopping
Stattdessen zeigt Google Listen von Shops und Preisvergleichsportalen. Shopping Ads bleiben erhalten. Google Shopping erreicht ihr jetzt nur noch über Produktlisten weiter unten auf den SERPs. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um eine Anpassung im Sinne des Digital Markets Act. Google wurde für die Selbstbevorzugung eigener Dienste in der Google Search in Höhe von 460 Mio. Euro bestraft.

Abbildung 1: Google Shopping Produktliste für die Suchanfrage „e bike“
Interessant in diesem Kontext ist, dass das neue ChatGPT-Modell GPT-6 Astra auch bei regulären Prompts auf Google Shopping zurückgreift. Erkennbar ist das an Google-Shopping-URLs in den Antworten.
Was das für euch bedeutet: Online-Shops verlieren in der EU einen kostenlosen Traffic-Kanal aus der Google-Suche. Euren Produktfeed im Merchant Center solltet ihr trotzdem weiter pflegen. Produktdaten wechseln nur den Kanal: Sie verlieren Sichtbarkeit in der Google-Suche und gewinnen Reichweite in den Antworten von ChatGPT. Prüft deshalb, ob Preise, Verfügbarkeit und Produkttitel im Feed aktuell sind.
Online Marketing News
#01 ChatGPT Ads im Selbsttest: Das hat unsere erste Kampagne gebracht
Seit dem 24. August gibt es ChatGPT Ads auch in Deutschland und 30 weiteren europäischen Märkten. Ende August hat OpenAI zusätzlich den Ads Manager für den Self-Service geöffnet, Kampagnen lassen sich seitdem direkt selbst aufsetzen.
Wir wollten wissen, was der neue Kanal in der Praxis kann, und haben ihn selbst getestet: 17 Tage (09.–25.09.2026), 333 € Budget, zwei Anzeigengruppen. Eine bewarb unsere SEO-Beratung, die andere sollte uns bei Interesse am Thema ChatGPT Ads sichtbar machen.
Unsere Zahlen im Überblick
- Impressionen: 22.500
- Klicks: 306
- CTR: 1,36 %
- Ø CPC: 1,09 €
- Ø CPM: 14,80 €
- Conversions: 0
Was wir daraus mitnehmen
- Klickpreise: ein klares Plus. Mit 1,09 € pro Klick lagen wir deutlich unter vergleichbaren Google-Ads-Kampagnen, bei denen wir häufig über 3 € zahlen.
- Reichweite: größer als gedacht, aber mit Vorsicht zu genießen. 22.500 Impressionen in gut zwei Wochen hatten wir nicht erwartet. Zu welchen Konversationen die Anzeigen konkret ausgespielt wurden, lässt sich allerdings nicht einsehen. Gesteuert wird über Kontexthinweise, wie gut die Reichweite zur Zielgruppe passt, bleibt deshalb offen.
- Klickrate: Mit 1,36 % eher verhalten, aber nachvollziehbar. Die Anzeige steht unter der Antwort und nicht ganz oben wie die Top-Anzeigen bei Google.
- Conversions: Hier blieb unser Test (noch) ohne Ergebnis. Im ersten Testzeitraum sind keine direkt zurechenbaren Anfragen entstanden. Für eine erklärungsbedürftige Dienstleistung mit längeren Entscheidungswegen sind 17 Tage und 333 € allerdings kurz, zumal eine der beiden Anzeigengruppen auf Sichtbarkeit ausgelegt war. Hinzu kommt:
Anzeigen sehen nur Nutzer*innen von ChatGPT Free und Go. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sind werbefrei. Gerade im B2B stellt sich damit die Frage, wie viele Entscheider*innen man überhaupt erreicht.
Was der Ads Manager bietet
- Gebotsstrategien: Optimierung auf Aufrufe (CPM), Klicks (CPC) oder Conversions (oCPC). Bei conversion-optimierten Kampagnen werden weiterhin gültige Klicks abgerechnet, nicht Conversions.
- Targeting: Kontexthinweise, geografische Einstellungen und Custom Audiences. Letztere gibt es erst ab 25.000 Nutzer*innen, für viele B2B-Unternehmen eine hohe Hürde. Insgesamt ist das Targeting weniger granular als bei Google Ads.
- Tracking: Conversions lassen sich über den OpenAI-Pixel und/oder die Conversions API messen. Zusätzlich können UTM-Parameter genutzt werden, um den Traffic in bestehenden Analytics-Systemen auszuwerten.
- Für Shops: Produktfeeds mit Bildern, Preisen und Verfügbarkeiten. Besonders spannend für Händler mit einem umfangreichen Produktkatalog.
Ausblick: In den USA testet OpenAI mit ausgewählten Werbetreibenden sogenannte Sponsored Agents. Nutzer*innen chatten dabei direkt aus der Anzeige heraus mit einem KI-Vertreter des Unternehmens. Das kann Interessierte schon im Chat gut informieren, bedeutet aber auch: Was geantwortet wird, habt ihr nicht vollständig in der Hand.
Unser Zwischenfazit: früh testen lohnt sich
ChatGPT Ads liefern schon jetzt Reichweite und Klicks zu fairen Preisen. Günstige Klicks sind aber noch kein Beweis für einen funktionierenden Performance-Kanal. Ob daraus zuverlässig Anfragen oder Verkäufe werden, zeigt sich erst mit mehr Laufzeit und Budget.
Bisher sind die Möglichkeiten zur detaillierten Auswertung und Optimierung im Vergleich zu etablierten Werbeplattformen noch reduziert. Wer also kurzfristig planbare Leads braucht, ist bei Google Ads aktuell besser aufgehoben. Wer dagegen früh bezahlte Sichtbarkeit in ChatGPT aufbauen möchte, sammelt bereits jetzt Erfahrungswerte, während andere noch abwarten.
KI-News
#01 OpenAI stellt GPT-6 Astra vor und stuft es selbst als „kritisch“ ein
OpenAI hat Anfang September GPT-6 Astra vorgestellt. Laut eigenen Angaben ist es das bisher stärkste Modell, und es richtet sich vor allem an Unternehmenskund*innen.
Das soll Astra u. a. eigenständig erledigen:
- Online-Formulare ausfüllen
- Kundendaten aktualisieren
- Dashboards erstellen
- Sicherheitslücken aufspüren
Die Kehrseite: OpenAI stuft das eigene Modell als „riskant“ ein
- „Critical“ bei Cyber-Sicherheit: Im hauseigenen Preparedness Framework (OpenAIs Prüfverfahren, das die Risiken neuer Modelle vor dem Release bewertet) erreicht Astra die Stufe „Critical“. Das Modell kann Sicherheitslücken finden, die selbst die Hersteller einer Software noch nicht kennen. Außerdem kann es direkt den passenden Schadcode schreiben, um diese Lücken auszunutzen.
- Versteckte Denkschritte: Bevor Astra antwortet, denkt es in Zwischenschritten nach. OpenAI liest diese Schritte mit, um problematisches Verhalten früh zu erkennen. Das Unternehmen warnt nun, dass Astra diese Denkschritte künftig absichtlich verschleiern könnte. Dann wäre nicht mehr nachvollziehbar, was das Modell tatsächlich vorhat.
- Warnsignal aus dem Juli: Bei Sicherheitstests brachen OpenAI-Agenten aus ihrer Sandbox aus, also aus einer abgeschotteten Testumgebung ohne Zugriff nach außen. Anschließend griffen sie Hugging Face an, eine Plattform, auf der Entwickler*innen KI-Modelle und Datensätze teilen.
Was das für euch bedeutet: Agenten übernehmen zunehmend echte Aufgaben in CMS, CRM und Analytics-Tools. Gebt ihnen deshalb nur die Rechte, die sie wirklich brauchen. Testet neue Workflows zuerst in einer abgeschotteten Umgebung, und lasst irreversible Aktionen wie Löschen oder Veröffentlichen immer von einem Menschen freigeben.
#02 Shopify: KI-Agenten können jetzt den kompletten Checkout abschließen
Im Februar haben wir euch WebMCP als technische Grundlage für Agentic Commerce vorgestellt. Jetzt zeigt Shopify, wie das in der Praxis aussieht: Browser-Agents können ab sofort Checkouts in Shopify-Shops auslesen, ausfüllen und abschließen. Zusammen mit den bereits verfügbaren Tools für Storefront und Warenkorb deckt WebMCP damit die komplette Shopping-Journey ab, von der Produktsuche bis zur Bestellbestätigung, inklusive Shop Pay.
Diese vier Tools können Agents im Checkout nutzen:
- navigate_to_storefront: zurück zur Storefront navigieren
- get_checkout: Artikel, Summen, Hinweise und Bestelldetails auslesen
- update_checkout: Checkout-Felder wie die Versandadresse anpassen
- complete_checkout: Kauf abschließen, aber erst nach Bestätigung durch die Nutzer*innen
Bei Schritten wie der 3D-Secure-Authentifizierung geht die Kontrolle an die Käufer*innen zurück.
Was das für euch bedeutet: Shopify-Händler*innen müssen nichts konfigurieren, denn die Tools laufen direkt im bestehenden Checkout. In einem kleinen Shopify-eigenen Test war WebMCP schneller, zuverlässiger und günstiger als das Browser-Use-Feature von OpenAIs GPT-6 Sol. Für alle anderen Shop-Systeme ist das ein klares Signal: Wer seine Prozesse jetzt maschinenlesbar macht, ist vorbereitet, wenn Nutzer*innen ihre Einkäufe zunehmend an KI-Agenten abgeben.
Tipps des Monats
#01 Sitemaps verlieren ihre schöne Ansicht, dieses Chrome-Tool bringt sie zurück
Viele von euch kennen die übersichtliche Yoast SEO-Tabelle, die erscheint, wenn ihr eine XML-Sitemap im Browser öffnet. Dahinter steckt XSLT. Mit dieser Technik werden die XML-Dateien in lesbare Ansichten umwandelt. Diese Darstellungsform verschwindet bald. Chrome deaktiviert XSLT laut Joost de Valk im November 2026. Firefox und WebKit unterstützen die Abschaffung ebenfalls, haben aber eigene Zeitpläne. Grund für die Abschaffung sind Sicherheitslücken im XSLT-Code der Browser.
Als Ersatz hat de Valk die kostenlose Chrome-Erweiterung Sitemap Inspector gebaut. Sie macht Sitemaps wieder klickbar und zusätzlich könnt ihr direkt mit einem Klick Folgendes prüfen:
- Weiterleitungen, HTTP-Fehler und Noindex-Anweisungen
- Canonicals und robots.txt-Regeln für den Googlebot
- fehlende, ungültige oder identische lastmod-Angaben

Abbildung 2: seo-trainee.de Sitemap in der Ansicht der Erweiterung
Was das für euch bedeutet: Wundert euch nicht, wenn Sitemaps ab November im Browser nur noch als Code erscheinen. Ein Fehler ist das nicht. Probiert gerne den Sitemap Inspector aus und startet mal einen „Check URLs“-Durchlauf. Vielleicht zeigt diese Prüffunktion euch in eurer Sitemap, wo diese an Google widersprüchliche Signale sendet.
#02 Ranking-Faktoren 2026: Was bei Google und in Googles KI-Antworten zählt
Cyrus und Dawn Shepard haben 131 SEO-Expert*innen gefragt, welche Faktoren 2026 über Rankings entscheiden. Das Ergebnis gibt es für die klassische Google-Suche und für AI Overviews und AI Mode.
Top 5 für die klassische Suche (Anteil der Befragten, die den Faktor unter ihre Top 3 gewählt haben):
- Relevanz (57,1 %): Der Inhalt trifft die Suchintention.
- Backlinks (54,8 %): Vor allem Links von vertrauenswürdigen, thematisch passenden Seiten.
- Content-Qualität (47,6 %): Originalität, Richtigkeit und Aktualität.
- Autorität und Vertrauen (36,5 %): Wie sehr Google der Website, den Autor*innen oder der Marke dahinter vertraut.
- Nutzersignale (29,4 %): Wie Nutzer*innen Suchergebnisse anklicken und sich auf der Seite verhalten.
Top 5 für Googles KI-Antworten (Bewertung auf einer Skala von –3 bis +3):
- Crawlbarkeit (+2,20): Google darf die Seite crawlen und für Snippets nutzen.
- Passgenaue Antwort (+2,15): Die Seite beantwortet die Frage direkt, die hinter der Suchanfrage steckt.
- Marke im KI-Gedächtnis (+2,08): Was das Modell aus seinen Trainingsdaten schon über euch weiß.
- Zitierfähige Fakten (+2,07): Klare Zahlen, Statistiken, Aussagen oder Zitate, die eine KI-Antwort direkt übernehmen kann.
- Rankings für Fan-Out-Queries (+1,91): Das sind Teilsuchen, die Google im Hintergrund jeder KI-Anfrage startet.
Abgeschlagen: Die llms.txt spielt für KI-Antworten laut den Befragten praktisch keine Rolle (+0,05).
Was das für euch bedeutet: Die beiden Listen überschneiden sich stark. Wer die Suchintention trifft, eigene Daten liefert und eine vertrauenswürdige Marke aufbaut, punktet in beiden Welten. Gutes SEO bleibt also die Basis für KI-Sichtbarkeit. Aber Achtung: Das sind Einschätzungen von Expert*innen, keine Messdaten und keine offiziellen Aussagen von Google.

Abbildung 3: Relevanz-Faktoren im Expert*innen-Ranking, Quelle: signal.zyppy.com




