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Interview mit Felix Beilharz über Social Media Marketing

Am 20. Juni 2017 findet in Köln zum dritten Mal die hashtag.business Konferenz statt, die sich um außergewöhnliches Social Media Marketing dreht. Wir hatten die Gelegenheit, dem Online- und Social Media Marketing-Experten sowie Gastgeber der Konferenz Felix Beilharz ein paar Fragen zu stellen.

1. Wie schätzt du die aktuelle Popularität der verschiedenen Sozialen Netzwerke ein? Welche werden in naher Zukunft deiner Meinung nach an Bedeutung verlieren und welche gewinnen?

Das Social Web ist fest in Facebooks Hand. Alle stark wachsenden Kanäle in der westlichen Welt gehören Facebook (Facebook, Messenger, Instagram, WhatsApp). Facebook ist auch das einzige Social Network, dass in der deutschen Bevölkerung über flächendeckende Bekanntheit verfügt (42% der deutschen Onliner sind regelmäßig aktiv, bei Instagram sind es 11%, alle anderen Netzwerke liegen darunter).

Daneben gibt es nur noch drei Große, die nicht zu Facebook gehören: Snapchat, YouTube und LinkedIn. Snapchat hat größere Schwierigkeiten, was Wachstum angeht und scheint stark unter dem Nachbau in den verschiedenen Facebook-Kanälen zu leiden. Und LinkedIn (oder in Deutschland noch eher XING) ist eben ein spezielles Business-Netzwerk, das die meisten nur aufsuchen, wenn sie konkret einen Kontakt oder einen Job suchen.

Natürlich gibt es nach wie vor noch viele andere Netzwerke, die alle ihre Daseinsberechtigung in der Nische haben. Pinterest ist in manchen Branchen gewinnbringend, Twitter kann bei Presse- und Öffentlichkeitsarbeit helfen und Musical.ly geht bei Jugendlichen gut ab. Aber wenn man die Zahlen vergleicht, kommt man unweigerlich zu dem Schluss. Facebook dominiert gewaltig. (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/181086/umfrage/die-weltweit-groessten-social-networks-nach-anzahl-der-user/)

2. Aktuell bekommen Soziale Netzwerke immer mehr Funktionen, die einander ähneln. Wie ist deine Einschätzung zu dieser Entwicklung?

Ja, das ist deutlich zu beobachten. Live-Streaming ist zum Beispiel so eine Funktion. Erst bei Twitch und YouNow, dann bei YouTube und Twitter (via Periscope), dann bei Facebook und jetzt auch bei Instagram. Genauso bei Stories: Erst Snapchat, dann Instagram und jetzt Facebook, Messenger und WhatsApp.

Ich bin etwas unschlüssig, was ich davon halten soll. Zum Einen stärkt es wieder die Macht von Facebook – warum sollen Nutzer und zahlende Unternehmen noch ihre Zeit mit Snapchat verbringen, wenn der USP quasi genauso gut auch auf Facebook zu haben ist?

Auf der anderen Seite stellt das die Nutzer doch vor Herausforderungen. Cool, ich bin gerade auf der Fibo, da mach ich mal schnell nen Livestream. Aber mache ich das jetzt über YouTube oder doch besser Instagram Stories oder lieber Facebook? Und mal schnell ne Story posten – aber wo? Im Gegensatz zu den klassischen Social Media Management Tools ist mir auch kein Tool bekannt, mit dem sich Live oder Stories zentral auf mehreren Kanälen gleichzeitig ausspielen lassen.

Ich glaube, dass am Ende wieder das Facebook-Universum davon profitieren wird. Snapchat gebe ich noch 2 Jahre und Twitter sollte auch mal langsam anfangen, Geld zu verdienen, denn ewig lässt sich von Hoffnung nicht leben.

3. Live-Videos, Chatbots, … Was sind die wichtigsten aktuellen Trends im Social Media Marketing und worauf können wir uns in Zukunft freuen?

Jap, Live-Videos und Chatbots gehören definitiv dazu. Aber auch 360-Grad-Inhalte (die ebenfalls auf immer mehr Plattformen funktionieren) spielen zukünftig eine große Rolle. Die Playstation VR und die immer besser werdenden VR-Brillen sowie bezahlbare Kameras werden das massenfähig machen – hoffe ich.

Ebenfalls interessant finde ich, dass Snapchat eine eigene Kamerabrille rausbringt. Vermutlich wird das kein riesiger Erfolg, aber das Prinzip ist interessant. Google war mit dem Project Glass einfach zu früh dran, aber gut möglich, dass wir mehr Netzwerk-eigene Gadgets sehen werden. Amazon macht das mit Kindle, Fire TV, Alexa etc. ja vor.

Die großen Trends (nicht unbedingt die neuesten, aber die relevantesten) sind in meinen Augen: noch stärkere Mobile-Fokussierung, Gadgets/Wearables, Bots und Assistenten, ausgefeiltere Ad-Möglichkeiten und Influencer Marketing. Da sollten Unternehmen ein Auge drauf haben.

4. Welche Chancen bieten Soziale Netzwerke mit ihren vielfältigen Funktionen deiner Ansicht nach für das Online Marketing?

Das ist eine sehr breite Frage. Es gibt Erfolgsbeispiele für fast jede denkbare Ziel. Vom Verkauf über Kundenbindung, Reputationssteigerung, Arbeitgebermarketing, Information und Agenda Setting, Krisenkommunikation bis hin zu Investor Relations oder interne Kommunikation.

Wichtig ist, sich klare Ziele zu setzen und darauf aufbauend dann die Kanäle und Vorgehensweisen auszuwählen. Wenn zum Beispiel das Ziel in einem besseren Google-Ranking besteht (was noch kein endgültiges Ziel sein kann, aber zumindest ein gutes Zwischenziel darstellt), dann sind zum Beispiel Twitter, Instagram oder Vimeo relativ ungeeignete Kanäle. Ein Blog und YouTube dagegen hervorragend geeignet. Für Traffic-Steigerung eignen sich Snapchat und Instagram nur eingeschränkt, Facebook und Twitter dagegen gut.

Das Ziel bestimmt den Kanal, nicht andersrum.

5. Was ist für dich gutes und außergewöhnliches Social Media Marketing? Hast du ein paar Best Cases für unsere Leser?

Ein Case, der neulich sehr bekannt geworden ist, war die Verkaufsaktion des Uhrenherstellers Omega, die über Instagram 10 Mio. Franken Umsatz in nur 4 Stunden generiert haben. Dabei wurde so einiges richtig gemacht, obwohl es vielen gängigen Glaubenssätzen widerspricht (Verkauf im Social Web funktioniert nicht, Instagram ist nichts für teure Luxusartikel etc.). Das wahre Erfolgsgeheimnis ist aber nicht an diesem Tag zu suchen, sondern in den Jahren der Vorarbeit. Omega hat sich eine große Gefolgschaft an aktiven und treuen Fans aufgebaut und mit tollen Inhalten die Gemeinschaft gepflegt, um dann eben auch solch einen Verkaufserfolg hinlegen zu können.

Trotz mancher Kritik gefällt mir auch die Recruiting-Kampagne der Bundeswehr sehr gut (deshalb habe ich den Verantwortlichen auch auf die hashtag.business geholt). Die Bundeswehr macht gerade generell sehr viel, um die sozialen Medien besser zu verstehen und professioneller zu nutzen und so gerade jüngere Zielgruppen anzusprechen. Das kann man gut finden oder nicht, aber man kann definitiv einiges von deren Vorgehensweisen lernen.

6. Und was sind deiner Meinung nach die häufigsten Fehler im Social Media Marketing und wie kann man sie vermeiden?

Die Klassiker: Keine Zielorientierung, keine Erfolgsmessung, zu wenig Budget und Priorität.

Aber oft liegen die Fehler tiefer. In vielen Unternehmen herrscht keinerlei Verständnis für die Bedeutung, Prozesse und Prinzipien des Social Web. Man macht es halt, weil es heute ja dazu gehört. Oft fehlen Menschen im Unternehmen, die das Thema wirklich mit Begeisterung betreuen. Gleichzeitig stecken bei allen Unternehmen, die im Social Web erfolgreich sind (z.B. Sixt, true fruits, Urlaubspiraten, Krones, EDEKA etc.), Menschen dahinter, die das Thema auch privat leben, die da richtig Bock drauf haben. Vieles lässt sich über eine gute Agentur einkaufen, aber längst nicht alles. Und gerade bei kleinen Unternehmen merke ich immer wieder: Die erhoffen sich, Facebook und Co. so nutzen zu können, wie früher Flyer und Broschüren. Die werden halt erstellt von jemandem, der das mal gelernt hat und dann verteilt. So funktionieren soziale Medien aber nicht. Das ist nichts, was man „nach Dienstplan abarbeiten“ kann, um sich dann wieder den wirklich wichtigen Aufgaben zu widmen. Wer so denkt, ist gut beraten, das Thema wirklich an eine (gute) Agentur abzugeben. Inhouse wird es so nicht funktionieren.

Auf der hashtag.business wird es übrigens eine Podiumsdiskussion geben genau zu dem Thema „inhouse vs. Agentur“. Dort diskutieren Vertreter beider Seiten über Vor- und Nachteile der jeweiligen Herangehensweisen und vor allem über eine möglichst gute Zusammenarbeit. Da werden garantiert nochmal einige wertvolle Impulse für alle Teilnehmer dabei sein!

 

Über Felix Beilharz:

Felix Beilharz ist „einer der führenden Berater für Online- und Social Media Marketing“ (RTL). Der Autor von 13 Büchern und Buchbeiträgen lehrt an mehreren Universitäten und Hochschulen, hält weltweit Vorträge und berät und trainiert Unternehmen zum erfolgreichen Einsatz der Online-Marketing- und Social Media-Instrumente. Außerdem veranstaltet er jährlich die hashtag.business Social Media Konferenz, auf der schon Unternehmen wie Facebook, Twitter, REWE, Sixt oder T-Systems gesprochen haben.

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