Die Psychologie des Internets – wie wir online ticken

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Die Psychologie des Internets – wie wir online ticken

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Vor kurzem noch einen Vorstellungsartikel als Praktikant publiziert, darf ich heute meinen ersten Fachartikel als frisch gebackener SEO-Trainee veröffentlichen.
Heute werden wir ausnahmsweise die SEO–Brille abnehmen und die Psychologie des Internets beleuchten. Wir möchten der Frage auf den Grund gehen, wie wir alle uns im Internet verhalten und welche Motive diesem Verhalten zugrunde liegen.

Soziale Interaktionen als wesentlicher Bestandteil der Internetnutzung

Schaut man sich aktuelle Datenerhebungen und Auswertungen zur Internetnutzung an, so stellt man fest, dass die Interaktion in sozialen Netzwerken einen erheblichen Anteil unserer Beschäftigung im Internet ausmacht.
76% der befragten Internetnutzer einer BITKOM-Studie zur Nutzung sozialer Netzwerke geben an, zumindest in einem sozialen Netzwerk angemeldet zu sein. Von diesen nutzen 73% ihren Account aktiv.

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Quelle: BITKOM 2011

Die Zahlen zeigen deutlich: Hat man noch vor einigen Jahren das Internet in erster Linie zur Informationsgewinnung herangezogen, vorzugsweise über Suchmaschinen, so nehmen mit der Einführung des Web 2.0 soziale Aktivitäten und Interaktionen immer mehr eine zentrale Rolle in unserer Internetnutzung ein.

Motive zur Nutzung sozialer Netzwerke

soziale Netzwerken

© iStockphoto/Thinkstock

Soziale Netzwerke dienen vordergründig der Aufrechterhaltung sowie der Pflege bestehender Kontakte, dem Knüpfen neuer Kontakte und der damit einhergehenden Erweiterung seines persönlichen Netzwerks. Darauf aufbauend kann ein effektiver und zielgerichteter Informationsaustausch stattfinden, denn sowohl soziale als auch geografische Barrieren werden überwunden und Gleichgesinnte können sich leicht organisieren. Auf diese Weise entstehen Kontakt- und Netzwerkmöglichkeiten, die im realen Leben erst gar nicht zustande gekommen wären. Die Folge der Vernetzung über soziale Plattformen ist eine Zunahme sogenannter Weak Ties, also loser Bekanntschaften, die entgegen der Bezeichnung der Kontaktlisten der gängigen Netzwerke nicht mit Freunden zu vergleichen sind.
Ein zentrales, auf den ersten Blick nicht erkennbares Motiv zur Nutzung sozialer Netzwerke ist die Selbstdarstellung. Mit sämtlichen Angaben und Aktivitäten, die man in einem sozialen Netzwerk vornehmen kann, lässt sich das Fremdbild, also die Art, wie man von Außenstehenden wahrgenommen wird, aktiv gestalten und über unmittelbares Feedback korrigieren. Durch die Anzahl und Art unserer Kontakte, durch Gruppenzugehörigkeiten, durch Angaben des persönlichen Film- und Musikgeschmacks, durch Kommentare, die wir hinterlassen, und ganz wesentlich durch die Inhalte, die wir publizieren, wollen wir in der Regel eine ganz bestimmte Wirkung erzielen, ein ganz bestimmtes Bild von uns vermitteln.
Entgegen der allgemeinen Erwartung, Profile in sozialen Netzwerken seien idealisierte Selbstbilder der Nutzer, die stark von der Wahrheit abwichen, kam eine Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, deren Ergebnisse von Süddeutsche.de in diesem Beitrag aufgegriffen wurden, zu dem Ergebnis, dass die Teilnehmer sozialer Netzwerke Ihre Profile zum größten Teil sehr wahrheitsgetreu gestalten und somit ein authentisches Abbild ihrer Persönlichkeit erstellen. Diese Beobachtung lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass ein positiver Nutzen durch soziale Anerkennung nur erfahren werden kann, wenn tatsächlich ein starker Bezug zur eigenen realen Person hergestellt werden kann.

Besonderheiten sozialer Netzwerke

Die Rahmenbedingungen der sozialen Interaktionen im Internet unterscheiden sich deutlich von denen konventioneller Kontaktaufnahme. Durch das Wegfallen sozialer Kontexte sowie der körperlichen Nähe und damit der nonverbalen Kommunikation fällt die Kontaktaufnahme selbst schüchternen und gehemmten Personen deutlich leichter als eine Face-To-Face-Interaktion (Döring, 2003 in: Sozialpsychologie des Internet). Denn bei der überwiegend schriftlichen Kommunikation liegt der Fokus auf dem Inhalt und somit auf der Sachkompetenz des Einzelnen. Des Weiteren wirkt die schriftliche Form der Kommunikation wesentlich unverbindlicher und unaufdringlicher, was zur Folge hat, dass sowohl das Beitreten als auch das Austreten aus einer virtuellen Gemeinschaft kaum soziale Barrieren aufweist und damit leichter und ohne schlechtes Gewissen vonstattengeht. Das ist auch ein wesentliches Argument gegen den oft ins Feld geführten Vorwurf, virtuelle Gemeinschaften führten zur Vernachlässigung der sozialen Kontakte im realen Leben und damit im Extremfall in die Vereinsamung. Vielmehr bieten sich durch die ungezwungene Kontaktaufnahme gerade den schüchternen Personen Möglichkeiten, Anschluss zu finden und den sozialen Austausch zu „üben“.

Privatsphäre & Datenschutz

Der Datenschutz genießt gerade bei den deutschen Internetnutzern einen hoher Stellenwert. So ergab die internationale Studie Digital Life von TNS, auf die hier verwiesen wird, dass 78% der deutschen Internetnutzer Wert auf Privatsphäre und Datenschutz legen. Interessant ist, dass diese hohe Wertschätzung der Privatsphäre der Nutzung von Online–Medien keinesfalls einen Abbruch tut. Überraschenderweise geht aus der Studie auch hervor, dass gerade diejenigen Internetnutzer, die angeben, besonders großen Wert auf ihre Privatsphäre zu legen, das Internet häufiger nutzen als die weniger auf Datenschutz Bedachten. Daraus lässt sich schließen, dass viele Internetnutzer durchaus bereit sind, für eine interessante Nutzererfahrung Einschränkungen der Privatsphäre in Kauf zu nehmen.

Gezielte Werbung im Internet

Gezielte Werbung durch Targeting

© iStockphoto/Thinkstock

Der Werbeumsatz im Internet wächst über die letzten Jahre stetig und weist zudem die höchsten Wachstumsraten aller Werbemedien auf, wie ein Artikel auf focus.de beschreibt. Die wachsende Anzahl der Internetnutzer ist nicht allein für die zunehmende Bedeutung des Internets für die Werbetreibenden verantwortlich. Im Vergleich zu herkömmlichen Medien bietet das Internet immense Vorteile. Durch das Sammeln persönlicher Daten und das Analysieren des Surfverhaltens lassen sich Nutzerprofile erstellen, was eine gezielte Segmentierung der Zielgruppen ermöglicht. Das wiederum führt zu einem effektiven, effizienten und vor allem kostengünstigeren Einsatz von Werbemitteln. Studien haben gezeigt, dass dieses Targeting bei vielen Menschen zu einem Trade-Off führt. Einerseits fühlen sich die Internetnutzer beobachtet und ausspioniert, andererseits empfinden sie personalisierte Werbung durchaus als nützlich und angenehm.
Am effektivsten findet personalisierte Werbung in sozialen Netzwerken statt, denn hier werden alle von Mitgliedern eingegebenen und preisgegebenen Daten ausgewertet. Das ausgeprägte Netzwerkverhalten moderner Internetnutzer machen sich Webetreibende für virales Marketing zunutze. Ist die Werbebotschaft besonders witzig, nützlich oder auch polarisierend, wird sie schnell und kostenlos verbreitet. Viral verbreitete Werbebotschaften haben zusätzlich den Vorteil, dass sie zum einen von vertrauenswürdiger Seite (Freunde, Kontakte) empfohlen werden und zum anderen sind solche viralen Werbebotschaften auf den ersten Blick oft gar nicht als Werbung erkennbar.

Vertraut man den Studien und wohl auch dem eigenen Riecher, so kann man stark davon ausgehen, dass sowohl die Anzahl der Internetnutzer als auch die Anzahl der aktiven Mitgliedschaften in sozialen Netzwerken zumindest vorerst weiter zunehmen werden. Damit wird auch das personalisierte Marketing, was schon jetzt sowohl für Werbetreibende als auch für die großen sozialen Netzwerke eine gewinnbringende Strategie darstellt, immer verbreiteter und auch ausgeklügelter. So werden wir in Zukunft während unserer täglichen Ausflüge ins Word Wide Web wohl immer mehr mit Werbebotschaften rechnen müssen, die auf unser persönliches Surfverhalten abgestimmten sein werden.

Damit verabschieden wir uns und wünschen noch eine wunderbare restliche Arbeitswoche

Andreas und die SEO-Trainees

SEO Trainee
Bei der Suchmaschinenoptimierung ist wenig in Stein gemeißelt. Vieles erschließt sich durch logische Deduktion, trial and error und nicht zuletzt durch Erfahrung. Das war für mich die Motivation für das Traineeship bei der wirkungsvoll GmbH. Ich möchte mein technisches Know-how, meine analytische Fähigkeiten sowie kreative Denkweisen vereinen und einfach geiles SEO machen.

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Dieser Artikel wurde am Mittwoch, den 11. April 2012 geschrieben. Wir freuen uns auf Deine Meinung, nutz hierfür einfach die Kommentarfunktion.
15 Kommentare bisher • RSS-Feed für Kommentare
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  • Maria sagt:

    Soziale Netzwerke werden noch weiter an Bedeutung gewinnen. Es ist durchaus denkbar das Google diesen social signals immer mehr Aufmerksamkeit schenkt und somit eine Beeinflussung der Aktivitäten bzw. Rankings in den SERPS möglich ist.

  • Alpha-Frau sagt:

    Guter erster Fachartikel 🙂

    Was die Profilanalyse und gezielte Werbung angeht, sollte man sich die Kotex Kampagne anschauen (Artikel z.B. auf Etent), mit der die Zielgruppe zum Werbeträge geformt wurde.

  • Christian sagt:

    Mich erstaunt die sehr geringe Differenz zwischen „angemeldet“ und „aktive Nutzung“; und das konsequent in allen Altersgruppen. Oder war den Befragten nicht unbedingt klar, was ein soziales Netzwerk ist?!?

  • Danke für den sehr guten und ausführlichen Artikel.

    Man mag wirklich darüber streiten, ob soziale Netzwerke gut oder schlecht für die Gesellschaft sind. Ich sehe z.B. innerhalb meiner Familie, in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, dass soziale Netzwerke einen gewissen Suchtfaktor mit sich bringen. Naja, aber es muss jeder selbst wissen, wieviel Zeit er für Social Media aufwendet.

    Was ich auch nicht besonders gut an den sozialen Netzwerken finde, ist dass Menschen zum „gläsernen“ Kunden werden.

    Wie dem auch sei, es bleibt außer Frage, dass Facebook, Google+ usw. in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen werden.

  • Peter sagt:

    Besonders das mit der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken ist wahr. Bei StudiVZ hatte ich zuletzt immer den Eindruck, die Leute wollten einem dort ihr gesmates Lebenskonzept aufs auge drücken und ihre Persönlichkeit wie eine Marke hinstellen. Und ja: Facebook und Co. werden zunehmend bedeutender; Wer nicht mitmischt, hat sich quasi virtuell-gesellschaftlich „ausgeklinkt“.

  • […] mit den Usern erstellt und hat somit einen ganz besonderen Open Source Stil an sich. Weiter…Die Psychologie des Internets – Heute darf ich meinen ersten Fachartikel als frisch gebackener SEO-Trainee […]

  • Mike sagt:

    Die Statistik sagt, die Frauen sind wohl in der Überzahl, weil sie ihre soziale Ader mehr ausleben können? Sozialer Kaffeklatsch und Tratsch über die nächste Modenschau und den letzten Schuhkauf?
    Was das Gläserne betrifft ist es wieder mal so: wer auf Werbung „reinfällt“ oder besser „anspricht“, den trifft es doch so oder so irgendwie. Und wenn mir Amazon dank der letzten Einkäufe nahelegt, einen dazu passenden Artikel zu kaufen, ist das doch auch ok, besser als das tausendste Popup für ein Waschmittel oder einen Linkkaufladen. Ich nutze nicht unbedingt sehr gerne die sozialen Netze, aber halte und knüpfe auch so doch ein wenig Kontakt mit Leuten, die ich sonst nie sehen oder kennenlernen würde. Aber es bindet einen immer mehr an den Computer, das ist auch klar. Und ich wünsche jedem, es nicht zu übertreiben, auch mir.

  • Hans sagt:

    Schöne und interessante Statistik. Vielen Dank dafür. Die Statistik und die Informationen kann ich nur bestätigen. In meinem Freundeskreis sind Frauen die Personengruppe die beispielsweise Facebook intensiver nutzen. Liegt wohl daran, dass Frauen gerne tratschen und mit Freundinnen über alles reden.

  • Max sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag! 🙂

    Ich bin gespannt, welchen Einfluss Social auch auf SEO haben wird. Bzw. eine welche Signale, wann und wo eine Wirkung zeigen.

  • Andreas sagt:

    Danke für die netten Kommentare!
    Ich denke, momentan nehmen social signals keinen großen Einfluss auf das Ranking, allenfalls indirekt, da so die Reichweite und mit ihr die Wahrscheinlichkeit für die Verlinkung erhöht wird. Natürlich wirkt sich social auch immer positiv auf den Traffic aus.

  • azella sagt:

    Klasse Artikel, klar warum Soziale Netzwerke nicht nutzen um mit seinen Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Aber das Suchtpotential ist da, also Vorsicht!

  • Janina sagt:

    Sehr interessanter und gut geschriebener Artikel. Vor allem auch vielen Dank für die Quellen, oft schreiben Leute eher oberflächlich und ohne Belege.

    Ich hätte jetzt auch nicht gedacht, dass die Menschen sich via Social Media glorifizieren und ein falsches Bild von sich abgeben. Aber es ist doch schon so, dass viele versuchen, sich von ihrer besten Seite zu zeigen.

    Meiner Ansicht nach verliert die Freundschaft zwischen zwei Personen durch social media mehr und mehr an Wert. Man knüpft schnell Kontakte oder bleibt über Internet in Kontakt, auch wenn man sich kaum sieht. Ab und zu mal was texten, das wars. Wer weiß schon von seinen über 200 Freunden, was ihre Lieblingsspeise ist, was sie gerne für Musik hören und überhaupt, wann sie Geburtstag haben. Fb erinnert daran. Das ist wie mit dem handy. Als es eingeführt wurde, wurden alle Nummern ins Handy gespeichert, statt sich diese zu merken. Ich weiß mittlerweile nicht mal meine eigene Festnetznummer, da ich auch meist nur auf Handy angerufen werde.

    Schon traurig , irgendwie , dieses Web 2.0 entpersonalisiert, würde der Psychologe sagen!

  • Panama sagt:

    Das die Methodik und die Auswahl der Stichprobe erheblichen Einfluss auf die Studienergebnisse hat, liegt auf der Hand. Bei vielen Studien, die sich mit dem Online-Verhalten, wie z. B. der Nutzung so­zia­ler Netzwerke, befassen werden nur Inter­net­nutzer befragt. Die Ergeb­nisse zeigen dann regel­mäßig, dass bis zu 80% der Onliner die sozialen Medien nutzen. Diese Zahlen werden dann im All­ge­meinen auf dem Markt gehandelt.

  • Fred sagt:

    Wenn Ich mir die Zahlen so anschaue sollte man doch meinen dass man allein in sozialen Netzwerken genug Besucher für die eigene Website finden kann und man den Suchmaschinenverkehr eigentlich gar nicht mehr braucht. Und man damit auch sicher vor Pandas und Pinguinen ist.

  • Ch.E sagt:

    Sehr guter und interessanter Artikel. Der hohe Anteil den die Interaktion in sozialen Netzwerken mittlerweile an der gesamten Internetnutzung einnimmt, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Konversationsrate über diese Kanäle oftmals eher schwach ist.

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